C2C Spirits Cup 2017

Alle Jahre wieder kommt von Julia Nourney Anfang bis Mitte September eine E-Mail, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert: Eine Einladung zum C2C Spirits Cup, für mich zumeist nur ein paar Stationen mit S- oder U-Bahn entfernt.

Seit 2014 veranstaltet Julia einen „Consumer 2 Consumer“-Wettbewerb. Wie kam es dazu? Es existieren eine Vielzahl an Veranstaltungen, in denen eine professionelle Jury ebenso professionell eine Vielzahl von Spirituosen verkostet, benotet und mit Medaillen versieht. Der Knackpunkt: Was sagen mir als Kunden diese Prämierungen, verliehen durch meist der Spirituosenindustrie nahestehenden Personen? Sind sie überhaupt aussagekräftig? Den Produzenten geht es ähnlich – wann erhalten diese ehrliches Feedback ihrer Zielgruppe? Fühlt man sich auf Messen gehemmt, dem Brenner persönlich die Schwächen seines Produkts mitzuteilen? Bekommt er nicht immer nur Feedback von einem geringen, sehr speziellen Teil der Konsumenten?

Ein Wechsel des Blickwinkels kann nur helfen – und fand letzten Mittwochabend bei Gabi Gräf in Frankfurt-Niederrad statt. In diesem mehr als gut sortierten Getränkeladen (Die Auswahl an Bier! An Gin! An Limonaden! Besuchen!) kamen rund ein Dutzend Juroren und Jurorinnen zusammen, um 16 Whisk(e)ys zu beurteilen. Regulär existiert eine Auswahl zwischen Whisk(e)y und Rum. Theoretisch ist letzteres ideal für mich – ist Rum doch mein Steckenpferd. Erfahrungsgemäß teilen dies leider nur wenige, daher kam bei diesem Termin keine Rum-Verkostung zustande und ich bin zur Getreideseite gewechselt. 😉

Die Quantität von weit über einem Dutzend Proben ist nur zu bewältigen, wenn ebenso qualifiziert wie bei den Vorbildern verkostet wird:

  • Je 3cl einer Probe im Glas, explizit so großzügig bemessen, zur entspannten Bewertung.
  • Verschiedene Gruppen, um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschließen.
  • Versuch der Objektivität: Wenn mir torfige Noten nicht schmecken, werden Islay-Abfüllungen nie hohe Punktzahlen erhalten. Trotzdem sollte beurteilt werden, ob das Produkt handwerklich gut gestaltet ist.
  • Nur Wasser zum Neutralisieren, kein Brot o.ä., welches den Geschmack verfälschen könnte.
  • Wirklich eine blinde Verkostung – die 16 Whisk(e)ys kamen in 9 Flights, diese gehören thematisch zusammen, als einziges Detail wurde nur die Eingruppierung der Trinkstärke angegeben:
    • 40 Vol% – 46 Vol%
    • 46.1 Vol% – 51 Vol%
    • > 51 Vol%
  • Das wichtigste: Die Proben werden nicht heruntergeschluckt, sondern landen im Spittoon. Durch geringe, verbleibende Mengen ist es trotzdem möglich, den Nachklang zu beurteilen.

Nach Bewertung auf einer Skala zwischen 1 (Neutralalkohol wäre angenehmer) und 10 (Die absolute Erfüllung) aller Proben kürt man zusätzlich seine vier Favoriten, genießt diese direkt im Anschluss oder nimmt sie – umgefüllt in kleine Tastingflaschen – mit nach Hause für einen späteren Zeitpunkt. Zu diesen Vieren werden jedem Teilnehmer zudem, nach offizieller Prämierung der eingereichten Produkte, die Auflösung zugeschickt, um welche Produkte es sich eigentlich handelte.

Die erwähnte Prämierung findet traditionell auf der Aquavitae in Mülheim an der Ruhr Ende Oktober/Anfang November statt. Bei Blick auf die letztjährigen Ergebnisse fallen reichlich Medaillen auf – der Medaillenspiegel liegt bei 60%. Die ersten 15% erhalten eine Goldauszeichnung, die nächsten 20% Silber, Bronze gibt es für die folgenden 25% und der Rest geht leer aus. Dieses Vorgehen ist deutlich strenger als bei traditionellen Tasting Panels, dort werden zumeist Medaillenspiegel von 80% bis 85% erreicht. Wie viel in diesem Fall eine bronzene Wertung bedeutet muss jeder selbst beurteilen.

Eine durch und durch gelungene Veranstaltung, die eine zumeist neue Perspektive öffnet. Die nächsten Termine sind auf der Website veröffentlicht, u.a. folgen noch Düsseldorf, Hamburg, Bremen und Hannover. Auf jeden Fall immer dabei: eine bezaubernde Gastgeberin und ein sympathisches Teilnehmerfeld.

PS: Trinkt mehr Rum! 🙂

Tim

Seit 2013 tagsüber in einem Büro in Frankfurt am Main anzutreffen, steht der cocktailbegeisterte Betriebswirt abends gerne vor den Bartresen der Stadt oder hinter seiner eigenen Heimbar in Bad Vilbel. Nebenher liest der Endzwanziger gerne – nicht nur Cocktailliteratur.

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