Letters of Marque

Im Sommer dieses Jahres fand ich mich an einem Donnerstagnachmittag in der Espresso Bar, nördlich der Konstablerwache, in Frankfurt wieder. Die koffeinhaltigen Getränke standen jedoch im Hintergrund, Sven Riebel aus dem Seven Swans & The Tiny Cup hat in einer Gastschicht zu dem einen oder anderen After Work-Aperitif eingeladen.

Neben den überzeugenden Cocktails vom Riebel stolperte ich dort über „Amaro“ von Brad Thomas Parsons, dem geneigten Leser bereits vom Bitters-Buch bekannt. Ein Überzeugungstäter also. Das 2016 erschienene Buch führt den Stil des Vorgängers weiter, irgendwo zwischen Coffee Table Book, Rezeptsammlung und Warenkunde.

Foto des Letters of Marque

Ein Exemplar bestellte ich sofort für meine Sammlung zu Hause – und ließ es erst einmal im Schrank stehen. Beim Aufschlagen fiel mir nun folgender Cocktail ins Auge:

Letters of Marque

  • 3cl Scarlet Ibis (charaktervoller Trinidadrum, substituiert durch Mezan Trinidad 1991-2011)
  • 3cl Cynar
  • 1.5cl Pierre Ferrand Orange Curacao
  • 1.5cl Galliano (ohne nähere Angabe, daher den nicht ganz so süßen l’Autentico genommen)
  • geflammte Orangenzeste (als Deko)

Alle Zutaten im Mixingglas auf Eis verrühren, in vorgekühltes Cocktailglas oder Coupette strainen, Dekoration anbringen.

(Nach Jerry Slater aus „Amaro – the spirited world of bittersweet, herbal liqueurs“, Seite 168)

Der Name zielt auf den Kaperbrief ab, mit denen Regierungen Privatpersonen das Recht einräumten, Schiffe fremder Nationen zu kapern respektive zu versenken. Präsentiert sich der Cocktail wirklich so harsch?

Ein bittersüßer Geruch schon beim Annähern an das Glas, der erste Schluck wirkt zunächst arg süß. Dies relativiert sich in kurzer Zeit – aufgrund des Rums und den Likören bleibt er zwar klar auf der Zuckerseite, jedoch stellen der prägnante Rum und Cynar die Balance gut her. Am Gaumen war mein erster Gedanke – endlich einen Verwendungszweck für Galliano gefunden! Gemeinsam mit dem Amaro sind hier wunderbar komplexe Noten zu finden, der Nachklang wird Orangen- und Rumlastiger.

Ein leicht erhöhter Anteil des Rums bei zurückgenommenen Liköreinsatz steigert die Trinkfreude wesentlich (4:3:1:1). Ob so oder so, der Letters of Marque ist ein volatiler Cocktail zwischen süß und herb, der einen guter Einstieg in diese Welt des gemischten Amaros bietet.

Tim
Seit 2013 tagsüber in einem Büro in Frankfurt am Main anzutreffen, steht der cocktailbegeisterte Betriebswirt abends gerne vor den Bartresen der Stadt oder hinter seiner eigenen Heimbar in Bad Vilbel. Nebenher liest der Endzwanziger gerne - nicht nur Cocktailliteratur.

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