Frankreich 2022 – Ab in die Weinberge!

Wie wird die Verbindung zu einer Herzensangelegenheit noch intensiver? Wenn man Dingen bis zu ihrem Ursprung folgt. Was liegt damit nah? Urlaub in der Champagne und dem Jura!

Besuch bei Tellier
Unser Vermieter und aufstrebender Champagnerproduzent Quentin Tellier

 

Im Juli 2022 begann eine zehntägige Rundreise durch unser Nachbarland gemeinsam mit einem guten Freund. Wir haben dabei so viele herzliche und offene Menschen kennengelernt, die mit einer großen Leidenschaft hinter Weinen, Speisen und speziellen gastronomischen Konzepten stehen, die unbedingt festgehalten werden müssen. Eindrücke sind unten in der Bildergalerie, in Listenform hier unsere Stationen und explizite Empfehlungen (was uns nicht begeistert hat, taucht auch nicht auf):

Elsass

  • Domaine Léon Boesch: Kurzer Abstecher zu Beginn ins Elsass. So kann Grauburgunde auch schmecken! Insbesondere die Weißweine des biodynamischen Vorreiters haben mich überzeugt. Empfehlung: Zinnkoepfle & Clos Zwingel
  • Hotel du Bollenberg: Nur einen kurzen Spaziergang durchs Grüne von Léon Boesch entfernt, ist das Hotel ein solider Auskunftspunkt in der Region. Beim hauseigenen Restaurant gab es leider einen Reservierungsfehler, dafür konnten wir den Abend bei dem ein oder anderen Glas Wein auf der Terrasse im Grünen noch ausklingen lassen. Hervorragend kuratierte Auswahl (inkl. seltenem elsässischen Naturwein) aus der Region von Ophélie.

Champagne

  • Jeaunaux Robin: Erster Stopp in der Champagne in der Coteaux du Petit Morin. Eine Entdeckung der 100% Champagne-Messe in München im Sommer, das komplette Sortiment macht Spaß und ist animierend. Es wird per Gravitation gearbeitet, seit einem direkten Vergleich kein BSA mehr, erste Gärung und Ausbau erfolgt teils in Holz und teils in Edelstahl. Empfehlung: Instinct Meunier & Fil de Brume
  • La Cour Tellier: Schönste vorstellbare Unterkunft für uns. Blick auf Rilly-La-Montagne, perfekte Ausgangslage, vollausgestattet und herzliche Vermieter (und Champagnerproduzenten).
  • Le Grand Cerf: Sternerestaurant, was direkt mehrere Gänge servierte, die mir in Erinnerung geblieben sind. Gibt es in Deutschland auch nicht immer. 20 Minuten zu Fuß von der Unterkunft entfernt. Die gute Champagnerkarte muss wohl nicht extra gelobt werden?
  • Tellier: Nicht nur unser Vermieter, sondern auch ein talentierter Champagnerproduzent. Sein Vater und Onkel produzierten bis 2007 selbst Champagner, dann verkauften Quentins Vater einige Zeit lang die Trauben. Nach seinen Wanderjahren stellt er seit 2016 wieder Winzerchampagner her. 12 Hektar, spontane erste Gärung, BSA wird nicht verhindert und nicht forciert. Weinig, kraftvoll (erste Gärung immer in Holz + 10 Monate Ausbau), nachhaltig erzeugt (biologisch, aber nicht zertifiziert, teilweise Tiere im Weinberg), experimentierfreudig (einige Abfüllungen mit Kork statt Kronkorken bei zweiter Gärung) und klare Handschrift. Langfristig wird ein Flaschenlager aufgebaut, damit die Weine erst ein Jahr nach Dégorgement in den Handel kommen. Für mich *die* Entdeckung der Reise! Empfehlung: La Côte aux Cerisiers & Les Massales
  • Pierre Gimonnet: Ganz kurzer Abstecher, ausgiebige Verkostungen sind eher nicht vorgesehen.
  • Bonnet-Ponson: 10 Hektar, bewirtschaftet von 5 Personen, sehr nachhaltige Ideen, es werden Bäume für mehr Biodiversität in den Weinbergen gepflanzt und ähnliches. Die normale Reihe überzeugt, die Naturwein-Reihe begeistert! Stellen auch einige Stillweine und Champagner aus den alten, kaum noch angebauten, aber weiterhin zugelassenen Rebsorten her. Der Rosé ist endlich mal ein Rosé mit Charakter. Empfehlung: Jules Bonnet Rosé de Noirs & Seconde Nature
  • Le Foch: So hochwertig-unkompliziert sollte ein Sterne-Mittagsmenü immer sein. Für kleines Geld über 2.5 Stunden eine genussvolle Zeit in Reims verbracht.
  • Au Bon Manger: Eines der Geschäfte in Reims, die in der Nähe mein Untergang wären. Nur biologisch und biodynamische Winzerchampagner in Kombination mit einer Feinkosttheke. Zuvorkommende und charmante Beratung, absurd günstige Preise für die Auswahl.
  • By le Vintage: Weinbar mit viel Offenausschank und einer extrem tiefen Weinkarte mit fairen Preisen. Raritäten reichlich vorhanden.
  • Sacré Burger: Burger und Winzerchampagner? Immer!
  • Drappier: Gutes Beispiel, wie in der Größe skaliert (~65 Hektar eigene und 40 Hektar zugekauft, 45 Mitarbeiter), aber trotzdem nicht zu uniform gearbeitet wird.
  • Le Garde Champetre: Hipstertraum! Ein altes Gebäude mitten im Nirgendwo, alles aus der Region oder direkt selbst angebaut (Kräuterbeet und Hühner direkt hinter dem Haus), Mittagsmenü solide auf der Höhe der Zeit und günstig. Und die Weinkarte? Übertrifft das Essen noch.

Dégorgement à la Glace bei Bonnet-Ponson. Die Flaschen werden per Hand in das Solebad bei -20°C und mit dann gefrorenen Hefedepot auf das Laufband gestellt.

 

Jura

  • Domaine Pignier: Biodynamischer (seit 2000) Vorzeigebetrieb im Jura, seit Generationen im Familienbesitz, experimentieren viel mit Amphoren, Zementeiern etc. Der Crémant L’Autre war auf der Reise der beste Schaumwein außerhalb der Champagne. Empfehlung: Crémant L’Autre & Gamay Blanc
  • Domaine de Saint Loth‘: Liebevolles Bed&Breakfast im Jura. Herzliche und offene Gastgeber, lediglich drei Gästezimmer, man frühstückt mit allen Gästen gemeinsam. Einen Abend wurde gegrillt und der exzellente Weinkeller geplündert – jederzeit eine Empfehlung.
  • Domaine Baud: Größerer Betrieb, der handwerklich ordentliche und sehr typische Weine herstellt.
  • Le Bouchon Du Château: Ein überzeugendes Restaurant auf dem Berg Château-Chalon, wie so häufig in Frankreich: Tolle Produktqualität, modern interpretiert, preislich nicht der Rede Wert und die regionale Weinkarte macht es rund.
  • Epicurea: In Poligny ein Käsegeschäft mit Weinauswahl. Oder ein Weingeschäft mit Käseauswahl. Egal. Große Comté-Auswahl, noch viel größeres (teils auch sonst ausverkauftes) Sortiment an Jura-Weinen.
  • Domaine Ratte: 9 Hektar in 11 Lagen, hauptsächlich durch Michel-Henri und Françoise zu zweit bewirtschaftet. Seit 2010 demeter, Ausbau komplett in Edelstahl. Françoise hat uns ihre sehr klare Vorstellung von Wein mit einer beneidenswerten Kompromisslosigkeit in der Umsetzung vorgestellt. Empfehlung: Grand Curoulet & Melon à Queue Rouge
  • Le Bistronôme: Abschluss der Reise in Arbois, erneut dieser von mir so geliebte, unkomplizierte Restauranttyp, den es leider in Deutschland viel zu selten gibt.

Domaine Léon Boesch - Fasskeller

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Trotz neuen Kellerräumen gab es nie Probleme bei der Spontangärung

Generell gilt: Überall vorher reservieren bzw. anfragen! Eigentlich hatten wir noch diverse weitere Weingüter besuchen wollen, die jedoch alle aufgrund der schlechten Ernte 2021 gar keine Weine mehr im Verkauf hatten und ohne Verkostung keine Führung machen wollten. Oder aufgrund der Größe sowie wenig bis keinen Mitarbeiter keine Kapazitäten im Juli für Besuche hatten. Wenn man das Wetter außen vorlässt, ist die ideale Jahreszeit für eine Weinreise eher nach der Lese im November sowie die Wintermonate.

Frankreich – so genussvoll-entspannt kann man seinen Urlaub selten verbringen!

Tim
Seit 2013 tagsüber in einem Büro in Frankfurt am Main anzutreffen, steht der cocktailbegeisterte Betriebswirt abends gerne vor den Bartresen der Stadt, hinter seiner eigenen Heimbar oder sitzt mit der einen oder anderen Flaschen Schaumwein am Main. Nebenher liest er gerne - nicht nur Cocktailliteratur.

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