Cuevas

Das Smuggler’s Cove aus San Francisco ist eine der führenden Tiki-Bars der Welt – verständlich, dass das gleichnamige Buch diesem Anspruch in keiner Weise nachsteht. Neben den Büchern von Beachbum Berry stellt dies aktuell die einzige ernsthafte Literatur zu den zumeist überbordenden Cocktails des Tiki-Segments dar.

Foto des CuevasObgleich Berrys Remixed! mein erster Berührungspunkt zur Tiki-Literatur war, der Autor um die Verdienste in diesem Bereich nicht hoch genug geschätzt werden kann und seine Bücher von Mal zu Mal ansprechender gestaltet sind – in Sachen Aufmachung stellt das vorliegende Buch dies alles in den Schatten.

Jetzt soll es jedoch um einen Cocktail gehen – zum Buch in einem späteren Beitrag mehr. Beim Durchblättern bin ich bei diesem untypischen Tiki-Shortdrink stehen geblieben und war gespannt auf die Umsetzung:→ weiterlesen

Real Sloe Gin Fizz

Mitte Juni traf ich mich mit Freunden aus meiner Schulzeit im beschaulichen Mannebach – eine Freundin von mir wohnte für einige Monate dort. Nein, das 300-Seelen Örtchen in Nähe der luxemburgischen Grenze muss man wirklich nicht kennen. Ich versprach mir in Bezug auf spannende bartypische Getränke höchstens den günstigen Einkauf von etwas Champagner und Rhum Agricole im benachbarten Ausland. Moselweine sind selbstredend ein anderes Thema. 😉

Umso angenehmer gestaltete sich der Besuch des lokalen Erzeugermarktes am Samstagmittag. Noch leicht verkatert erregte der Stand der örtlichen Brennerei unsere Aufmerksamkeit und es galt, das Sortiment zu verkosten. Eine dezente Ähnlichkeit zum typischen Tagesstart beim Besuch des BCBs lässt sich nicht leugnen … In der Konsequenz entstand der:

Real Sloe Gin Fizz

  • 3cl Gin (Martin Miller’s Westbourne Strength)
  • 3cl Schlehenbrand (Stors)
  • 3cl Zitronensaft (frisch gepresst)
  • 2cl Rohrzuckersirup
  • 1 Eiweiß
  • Soda

Alle Zutaten bis auf Soda sehr hart auf Eis shaken, in vorgekühltes Fizzglas geben und mit wenig Soda toppen.

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Barwoche 2017 – Drunken Aye-Aye in Berlin

Neben den Treffen des Cocktail&Dreams-Forum ist ein Termin fest im Jahreskalender markiert: Der Bar Convent Berlin, bislang je am Dienstag und Mittwoch nach dem Tag der Deutschen Einheit. Bis zum vorletzten Jahr war das German Rum Festival am Wochenende davor. Ideal, um samstags entspannt anzureisen, die ersten Bars unsicher zu machen, den Sonntag mit Rum zu verbringen, am Montagabend die Awards verfolgen und dann am Dienstag und Mittwoch auf dem BCB durchzustarten um donnerstags etwas angeschlagen wieder abzureisen. Seit letztem Jahr wird aus organisatorischen Gründen das Rumfest auf das Wochenende nach der Barmesse gelegt. 2016 fanden sich nicht genügend Mitstreiter, um von Montag bis Sonntag in Berlin zu bleiben. Dies war dieses Jahr anders!

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Schlehenbrand der Brennerei Stors

Die deutsch-luxemburgische Grenze bei Trier. Rebenland. Links und rechts säumen steile Weinhänge Mosel und Saar. Straßen führen mal mehr, mal weniger elegant durch die wunderschöne Landschaft. Mein Ziel Mitte Juli 2017? Mannebach.

Woran sind auf Anhieb kleine Dörfer identifizierbar? Wegweiser mit entsprechendem Namen existieren erst kurz vor dem Ziel und wesentlich mehr Straßennamen als Schul- und Hauptstraße benötigt es nicht. Beides trifft auf Mannebach zu. Der Weg zum 300 Seelen-Dorf ist erst wenige Kilometer vorher auf der Bundesstraße ausgeschildert, die Nebenstraße windet sich durch den Wald, mein Ziel ist der Wiesenweg. In erster Linie ist Mannebach in der Umgebung aufgrund seines Brauhauses bekannt, das Bier und Essen sind tatsächlich empfehlenswert. Mich selbst führte ein Besuch einer Schulfreundin für ein Wochenende in die Ortschaft. Sie wohnte dort, um für ein Praktikum täglich nach Luxemburg zu pendeln.

Besagtes Brauhaus stand am Freitagabend auf dem Programm, am Samstag pries die Freundin einen Besuch des Mannebachers Käsemarktes an. Nun, welche Erwartungen herrschen – aus dem Spirituosenblickwinkel – nach obiger Beschreibung des Dorfes? Richtig. Keine.

Umso überraschter war ich, als eine erquickliche Obstbrandauswahl inklusive Nosinggläser auf einem Tisch aufgebaut war. Und umso begeisterter, nachdem ich den ersten Brand probiert hatte. Besonders angetan hat es mir der Schlehenbrand, ein ungewöhnliches Erzeugnis und cocktailmäßig im Real Sloe Gin Fizz überzeugend einzusetzen. Ich kam mit der Tochter des ursprünglichen Brenners ins Gespräch und konnte näheres zur Herstellung erfahren.

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C2C Spirits Cup 2017

Alle Jahre wieder kommt von Julia Nourney Anfang bis Mitte September eine E-Mail, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert: Eine Einladung zum C2C Spirits Cup, für mich zumeist nur ein paar Stationen mit S- oder U-Bahn entfernt.

Seit 2014 veranstaltet Julia einen „Consumer 2 Consumer“-Wettbewerb. Wie kam es dazu? Es existieren eine Vielzahl an Veranstaltungen, in denen eine professionelle Jury ebenso professionell eine Vielzahl von Spirituosen verkostet, benotet und mit Medaillen versieht. Der Knackpunkt: Was sagen mir als Kunden diese Prämierungen, verliehen durch meist der Spirituosenindustrie nahestehenden Personen? Sind sie überhaupt aussagekräftig? Den Produzenten geht es ähnlich – wann erhalten diese ehrliches Feedback ihrer Zielgruppe? Fühlt man sich auf Messen gehemmt, dem Brenner persönlich die Schwächen seines Produkts mitzuteilen? Bekommt er nicht immer nur Feedback von einem geringen, sehr speziellen Teil der Konsumenten?→ weiterlesen

Apple Bitters

Inzwischen ist eine kaum noch zu überschauende Auswahl an Bitters auf dem Markt und es bereits Jahre her, dass man sich nur zwischen Angostura- und Orange Bitters entscheiden konnte.

Ein Buch, welches perfekt in die damals durch The Bitter Truth und Fee Brothers erzeugte Aufbruchstimmung dieses Marktsegments passte, ist das 2011 veröffentlichte „Bitters“ von Brad Thomas Parsons. Er beschreibt einerseits die Geschichte der hochkonzentrierten Aromen, liefert Rezepte und Ideen für eigene Abfüllungen, reißt viele klassische Cocktailrezepte mit Bitters ab und zeigt Möglichkeiten für den Einsatz in der Küche auf.

Passend zur Jahreszeit gefiel mir vor einiger Zeit sofort das Apple Bitters-Rezept, welches auch in den Tambourine Man Eingang fand, unseren Siegercocktail für den C&D-Forumswettbewerb 2014.→ weiterlesen

Widow’s Laurel

Foto eines Widow's Laurel.Die Tage werden kürzer, der Regen ist nicht mehr warm, da darf es gerne etwas schwerer und komplexer mit Blick auf die Getränke werden.

In solchen Momenten blättere ich gerne durch das Death & Co-Buch, finden sich hier schließlich eine angenehme Mischung aus – mit einer gut sortierten Hausbar – direkt nachmixbaren Cocktails sowie Ideen und Kreationen, die etwas mehr Vorbereitungszeit hinter der Bar benötigen. Meine Wahl für diesen Dienstagabend fiel auf:

Widow’s Laurel

  • 6cl Calvados (Busnel VSOP Calvados, substituiert durch Boulard Pays d’Auge)
  • 1.5cl Drambuie
  • 1.5cl süßer Wermut (Carpano Antica Formula)
  • 1BL Pimento Dram (St. Elizabeth, substituiert durch The Bitter Truth)
  • 1 Dash Angostura Bitters
  • 3 Cocktailkirschen (als Deko)

Alle Zutaten auf Eis rühren, in vorgekühltes Coupette-Glas geben, die Kirschen als Deko auf einem Spieß hinzufügen.

(Nach Joaquin Simó, Death & Co, Seite 219)

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Take me higher

Was, wenn man eine Werbeanzeige für einen Drink sieht, man ihn unbedingt sofort nachmixen will, aber die zwei elemantaren Hauptzutaten fehlen?

Dann gilt das höchste aller Künste wie auch in der Comedy: Nein nicht nur Stand-Up (ok, man muss sich auch erst mal aufraffen), sondern Impro! Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Wenn man aber nun noch zwei alternative tolle Produkte im Hause hat, die man eh mal unbedingt ausprobieren wollte, mit Aromen experimentiert und in etwa weiß, was einem selber schmeckt: na dann los!

Inspiriert hatte mich eine Anzeige für Appenzeller Alpenbitter in der aktuellen Ausgabe des Mixology Magazins für Barkultur (hier zum Online-Artikel dazu):

Lift Me Up

4 cl Appenzeller Alpenbitter
4 cl Cold Brew oder 1 kalter Espresso
3 cl Blaubeersaft
2 Dashes Angostura
8 cl Ginger Beer

Garnitur: Blaubeeren und Zitronenzeste

So weit so gut. ich weiß, dass mein Kollege Tim hier nun schon aussteigen würde. Er macht zwar nun auch in Kaffee beziehungsweise Espresso, aber diese Komponente in Drinks sagt ihm nicht sonderlich zu. Ich bin zumindest nicht abgeneigt. Aber das Problem bei der Rezeptur sind sowohl der Appenzeller Alpenbitter als auch der frische Blaubeersaft, nicht mal die Beeren sind im Haus. Kaffee hätte ich, egal ob aus der bequemen Nespresso Maschine oder handgemacht aus der kleinen alten Krups Novo Plus 988. Aber in der Bar steht noch das recht neue Produkt Slowbrew von Stempels aus Hamburg, welches auch noch getestet werden möchte, ebenso wie das selbst hergestellte Gingerbeer. Ebenfalls neu und noch nicht in Drinks verarbeitet steht ein spezieller Blaubeerlikör aus der österreichischen Alpenregion: Mirtillo von Freihof. Spannendes Produkt, denn es ist nicht einfach ein süßer Myrtillus-Likör, er enthält auch noch Wacholder, Limette und Ingwer – und das passt prima meiner Meinung nach! Hätten wir also fast alles – außer dem Protagonisten. Ersetzen werde ich ihn mit einem meiner Favoriten aus Italien mit Artischocke als wichtigem Aromaträger. Natürlich ist von Cynar die Rede. Ist es damit überhaupt noch nah am Original? Vielleicht nicht direkt, aber so sind ja nun auch großartige Twists wie Tommy’s Margarita und quasi auch der Gin-Basil Smash entstanden. Etwas mehr Abwandlung als bei Tommy’s, dafür etwas weniger als bei Jörgs Smash- und was soll ich sagen? Das Ergebnis weiß mich sehr zu überzeugen, auch wenn es sicherlich nicht so ein großer Hit wird, wie die zwei gerade genannten:

Take me higher

  • 4cl Cynar
  • 3cl Slowbrew
  • 3cl Mirtillo
  • 2ds Angostura
  • 1cl frischer Limettensaft
  • topoff mit Gingerbeer

 

Mein Gingerbeer ist eigentlich recht stark und nicht zu süß, aber dennoch tut dem Drink ein wenig frische Limette zusätzlich gut, vielleicht auch, weil der Cynar etwas süßer ist. Ziemlich erfrischender Pick-me-up, egal ob morgens oder an einem lauen sonnigen Nachmittag auf der Terasse.

Honor Amongst Thieves

Foto eines Honor Amongst ThievesWenn das Wetter Mitte August schon nicht mitspielt, dann muss wenigstens hinter der Bar Sommer, Sonne und Gute Laune erzeugt werden. Was bietet sich an? Zwei verschiedene Basisspirituosen, Falernum, Ananassaft, kurzum – Tiki!

Beim Blättern durch Food & Wine Cocktails 2015 (eine Reihe, die scheinbar nach elf Jahren damit in ihrer letzten Ausgabe erschien) blieb ich bei diesem Cocktail stehen. Explizit gereifter Cachaça wird in den seltensten Fällen verlangt, den Bourbon als zweite Grundlage einzusetzen klingt spannend und Falernum mag ich überhaupt gerne.

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Bottecchia

Jegliche Negroni-Varianten stehen bei mir hoch im Kurs – konsequenterweise blättere ich gerne durch das Buch von Gaz Regan, aus dem das Rezept des Bottecchia entstammt. „Finger Stirred“ ist selbstverständlich immer eine Option 😉

Bottecchia

  • 3cl Fernet Branca
  • 3cl Cynar
  • 3cl Campari
  • 1 Preise Meersalz
  • Grapefruitzeste

Alles verrühren bis das Salz sich aufgelöst hat, dann kalt rühren und in einem Tumbler auf Eis geben. Mit Zeste abspritzen und ohne Deko servieren.

(Nach Kevin Burke, „The Negroni – a gaz regan notion“, Seite 79)

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