Hibiskus! – Simple Pleasures und Roseine

Gestern Abend war es soweit – ohne schlechtes Gewissen konnte ich meine Arbeitskollegen mit einer Runde Antica Torino Smashes zum Start des Abends  begrüßen. Oder mit anderen Worten: Es fühlt sich endlich wieder nach Frühling an.

Wenig verwunderlich, dass ich beim Blättern durch die aktuelle imbibe 72 von März/April 2018 über den Artikel zu Hibiskusblüten-Cocktails gestolpert bin. Eine intensive, strahlende Farbe in Verbindung mit einem feinem, dezent-erdigen und säuerlichen Aroma passt perfekt zu den ersten richtigen Frühlingstagen. Erst recht in Verbindung mit Alkohol. 😉

Weltweit werden Hibiskusblüten in unterschiedlichster Form eingesetzt, ob als Tee, für Erfrischungsgetränke oder in Süßspeisen. Die von mir im folgenden verwendeten Blüten habe ich online als „Hibiskustee“ aus ganzen Hibiskusblüten geordert, 500 Gramm haben keine 7€ gekostet und reichen ewig. Aufgrund der Intensität sind die Blüten vorsichtig zu dosieren. Es bietet sich an, entweder einen Sirup zu kochen respektive mit Infusionen zu arbeiten. Im Fall des Simple Pleasures schlägt Gina Chersevani aus dem Buffalo & Bergen in Washington, D.C. vor, zwei Esslöffel getrocknete Hibiskusblüten zwei Stunden in einer Flasche weißen Overproof Rum ziehen zu lassen. Für einen ersten Versuch startete ich zunächst mit 6cl Wray & Nephew OP und einer einzelnen Blüte:

Foto des Simple Pleasures

Simple Pleasures

  • 6cl weißer OP-Rum mit Hibiskusinfusion (Wray & Nephew, siehe oben)
  • 2.25cl Limettensaft (frisch gepresst)
  • 1.5cl Rohrzuckersirup

Alle Zutaten auf Eis mixen und in eine vorgekühlte Cocktailschale geben.

Nach Gina Chersevani aus imbibe 72, Seite 32

Laut Chersevani erzeugen die Zuckerrohrnoten des Rums in Verbindung mit markanten Gerbstoffen, wie in Hibiskusblüten enthalten, eine natürlich Süße. Tatsächlich wirkt der Cocktail süßer, als es der Einsatz an Zucker vermuten ließe, diesen könnte man noch etwas zurücknehmen. Geschmacklich ist zunächst wenig Unterschied zu einem normalen Daiquiri erkennbar, dann erscheinen die Blüten dezent durch. Spannend – der Rum wird enorm eingefangen, die Harmonie stimmt. Trotzdem wird der Grundcharakter des intensiv-kräftigen Rums wird verfälscht, sondern um subtile Noten ergänzt.

Für einen umfangreichen Punch-Test im August letzten Jahres hatte ich bereits einen Hibiskussirup angesetzt. Eine Tasse getrocknete Blüten, eine Tasse Zucker und eine Tasse Wasser mit der Schale eine Zitrone aufkochen, 10 Minuten simmern und anschließend abkühlen lassen. Fein gefiltert gab es zum Glück im Kühlschrank keinerlei Haltbarkeitsprobleme, daher konnte der Roseine sofort nachgemixt werden:

Roseine

  • 4.5cl Blanco Tequila (1921)
  • 1.5cl Campari
  • 1.5cl Hibiskussirup (selbst hergestellt, siehe oben)
  • 1.5cl Grapefruitsaft (frisch gepresst)
  • 1.5cl Limettensaft (frisch gepresst)
  • Orangenzeste (als Deko)

Alle Zutaten auf Eis mixen und in eine vorgekühlte Cocktailschale geben. Mit Zeste dekorieren.

Nach Sean Hoard aus imbibe 72, Seite 32

Hoard, Mitbegründer des The Commissary in Portland und des Super Jugaso in Oakland, wollte die Kraft des Hibiskus mit Campari als Antagonisten begegnen. Das funktioniert. Tequila und Grapefruit passen natürlich zusammen, auch Campari empfinde ich als einen adäquaten Begleiter für Agavenbrände. Die Basis des Cocktails bleibt beständig die tonangebende Geschmacksrichtung, jedoch nicht überbordend. Hibiskus in Sirupform bringt neben der Süße auch leicht erdige Noten mit, diese ergänzen den Roseine. Hier werden mal andere Seiten des Tequilas beim Mixen aufgezeigt. Das Süß-/Säureverhältnis passt zudem genau.

Foto des Roseine

Beide Cocktails überzeugen. Der Einsatz von Hibiskusblüten in unterschiedlichen Formen führt jeweils zur stimmigen Ergänzung des Aromenspektrums um säuerliche Fruchtnoten, ohne die Basisspirituose zu überlagern. Insbesondere ist die auf natürliche Weise erzeugte rötliche Farbe des Simple Pleasures zu erwähnen. Der optische „Möchte ich auch haben“-Effekt, gänzlich ohne Lebensmittelfarben, ist garantiert. Das kann man ruhig mal hervorheben. 🙂

Tim
Seit 2013 tagsüber in einem Büro in Frankfurt am Main anzutreffen, steht der cocktailbegeisterte Betriebswirt abends gerne vor den Bartresen der Stadt oder hinter seiner eigenen Heimbar in Bad Vilbel. Nebenher liest der Endzwanziger gerne - nicht nur Cocktailliteratur.

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