One More Thyme

Musikalisch geht es weiter – meine Damen und Herren, geneigte Leser, werte Mittrinkende, bitte One More Time von Daft Punk auflegen und folgendes hinter der Bar mixen:

One More Thyme

  • 8cl Armagnac (Tariquet Bas-Armagnac 8y)
  • 2cl Zitronensaft (frisch gepresst)
  • 1cl Tonkabohnensirup (selbst hergestellt)
  • 1BL Bénédictine (eher großzügig messen)
  • 1/2 Apfel (vorzugsweise eine alte französische Sorte)
  • 1BL getrockneter Thymian
  • 1 getrockneter Apfelring (als Deko)
  • 1 Zweig frischer Thymian (als Deko)

Den getrockneten Thymian auf einer feuerfesten Unterlage platzieren, anzünden (am besten per Feuerzeug mit Jetflamme) und einen Tumbler kopfüber daraufstellen. Den Apfel im Shaker muddlen und im Anschluss alle flüssigen Zutaten mit Eis shaken. Auf eine Eiskugel in den Tumbler finestrainen und mit dem getrockneten Apfelring und dem frischen Thymian dekorieren.

(Nach Benjamin Thelen und Tim Burkhardt)

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Letters of Marque

Im Sommer dieses Jahres fand ich mich an einem Donnerstagnachmittag in der Espresso Bar, nördlich der Konstablerwache, in Frankfurt wieder. Die koffeinhaltigen Getränke standen jedoch im Hintergrund, Sven Riebel aus dem Seven Swans & The Tiny Cup hat in einer Gastschicht zu dem einen oder anderen After Work-Aperitif eingeladen.

Neben den überzeugenden Cocktails vom Riebel stolperte ich dort über „Amaro“ von Brad Thomas Parsons, dem geneigten Leser bereits vom Bitters-Buch bekannt. Ein Überzeugungstäter also. Das 2016 erschienene Buch führt den Stil des Vorgängers weiter, irgendwo zwischen Coffee Table Book, Rezeptsammlung und Warenkunde.

Foto des Letters of Marque

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Beneath the Sky

C&D-Forumstreffen 2017 – die Hauptstadt rief und es folgten rund 30 Cocktailverrückte, die über Pfingsten die wohl bestsortierte private Bar in ihrer gemeinsamen Unterkunft installierten. Neben dem üblichen Wahnsinn, wie ein Bourbon- sowie Champagnertasting, den so ein Wochenende nun einmal mit sich bringt, stand in der Nacht von Samstag auf Sonntag unser jährlicher Forumswettbewerb auf der Agenda. Thema: Old Fashioned.

Beneath the Sky*

  • 7cl gereifter Arrack (Compagnie des Indes 10y Indonesia)
  • 0.75cl Bergamottenlikör (Italicus)
  • 1/2BL Mispelsirup (selbst hergestellt)
  • 1/2BL Kaffir Limettenblattsirup (selbst hergestellt)
  • 1 Dash Angostura Bitters
  • 1 Amalfi-Zitronenscheibe, kandiert (als Deko)

Alle Zutaten auf Eis rühren. In einen vorgekühlten Tumbler auf einen großen Eiswürfel strainen und mit der kandierten Zitronenscheibe dekorieren. Im Idealfall ist das Eis handgeschlagen – aus einem großen Block.

*Keine Überraschung: Erneut sollte unbedingt während der Zubereitung und erst recht während des Trinkens 1990 von Leoniden laufen.

(Nach Benjamin Thelen und Tim Burkhardt)

Unsere Einreichung ist selbstverständlich in sich schlüssig aufgebaut: Arrack ist eine der klassischsten Zutaten, wie es die Geschichte des Punchs zeigt. Eben wirklich „Old Fashioned“. Auch wenn als Rum gelabelt, geht der Compagnie des Indes genau in die gewünschte Richtung und bildet ein kräftiges Rückgrat. Diese Wucht ist stilbildend für den Cocktail – unabhängig von den weiteren, leichteren Komponenten.

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Cuevas

Das Smuggler’s Cove aus San Francisco ist eine der führenden Tiki-Bars der Welt – verständlich, dass das gleichnamige Buch diesem Anspruch in keiner Weise nachsteht. Neben den Büchern von Beachbum Berry stellt dies aktuell die einzige ernsthafte Literatur zu den zumeist überbordenden Cocktails des Tiki-Segments dar.

Foto des CuevasObgleich Berrys Remixed! mein erster Berührungspunkt zur Tiki-Literatur war, der Autor um die Verdienste in diesem Bereich nicht hoch genug geschätzt werden kann und seine Bücher von Mal zu Mal ansprechender gestaltet sind – in Sachen Aufmachung stellt das vorliegende Buch dies alles in den Schatten.

Jetzt soll es jedoch um einen Cocktail gehen – zum Buch in einem späteren Beitrag mehr. Beim Durchblättern bin ich bei diesem untypischen Tiki-Shortdrink stehen geblieben und war gespannt auf die Umsetzung:→ weiterlesen

Real Sloe Gin Fizz

Mitte Juni traf ich mich mit Freunden aus meiner Schulzeit im beschaulichen Mannebach – eine Freundin von mir wohnte für einige Monate dort. Nein, das 300-Seelen Örtchen in Nähe der luxemburgischen Grenze muss man wirklich nicht kennen. Ich versprach mir in Bezug auf spannende bartypische Getränke höchstens den günstigen Einkauf von etwas Champagner und Rhum Agricole im benachbarten Ausland. Moselweine sind selbstredend ein anderes Thema. 😉

Umso angenehmer gestaltete sich der Besuch des lokalen Erzeugermarktes am Samstagmittag. Noch leicht verkatert erregte der Stand der örtlichen Brennerei unsere Aufmerksamkeit und es galt, das Sortiment zu verkosten. Eine dezente Ähnlichkeit zum typischen Tagesstart beim Besuch des BCBs lässt sich nicht leugnen … In der Konsequenz entstand der:

Real Sloe Gin Fizz

  • 3cl Gin (Martin Miller’s Westbourne Strength)
  • 3cl Schlehenbrand (Stors)
  • 3cl Zitronensaft (frisch gepresst)
  • 2cl Rohrzuckersirup
  • 1 Eiweiß
  • Soda

Alle Zutaten bis auf Soda sehr hart auf Eis shaken, in vorgekühltes Fizzglas geben und mit wenig Soda toppen.

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Barwoche 2017 – Drunken Aye-Aye in Berlin

Neben den Treffen des Cocktail&Dreams-Forum ist ein Termin fest im Jahreskalender markiert: Der Bar Convent Berlin, bislang je am Dienstag und Mittwoch nach dem Tag der Deutschen Einheit. Bis zum vorletzten Jahr war das German Rum Festival am Wochenende davor. Ideal, um samstags entspannt anzureisen, die ersten Bars unsicher zu machen, den Sonntag mit Rum zu verbringen, am Montagabend die Awards verfolgen und dann am Dienstag und Mittwoch auf dem BCB durchzustarten um donnerstags etwas angeschlagen wieder abzureisen. Seit letztem Jahr wird aus organisatorischen Gründen das Rumfest auf das Wochenende nach der Barmesse gelegt. 2016 fanden sich nicht genügend Mitstreiter, um von Montag bis Sonntag in Berlin zu bleiben. Dies war dieses Jahr anders!

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Schlehenbrand der Brennerei Stors

Die deutsch-luxemburgische Grenze bei Trier. Rebenland. Links und rechts säumen steile Weinhänge Mosel und Saar. Straßen führen mal mehr, mal weniger elegant durch die wunderschöne Landschaft. Mein Ziel Mitte Juli 2017? Mannebach.

Woran sind auf Anhieb kleine Dörfer identifizierbar? Wegweiser mit entsprechendem Namen existieren erst kurz vor dem Ziel und wesentlich mehr Straßennamen als Schul- und Hauptstraße benötigt es nicht. Beides trifft auf Mannebach zu. Der Weg zum 300 Seelen-Dorf ist erst wenige Kilometer vorher auf der Bundesstraße ausgeschildert, die Nebenstraße windet sich durch den Wald, mein Ziel ist der Wiesenweg. In erster Linie ist Mannebach in der Umgebung aufgrund seines Brauhauses bekannt, das Bier und Essen sind tatsächlich empfehlenswert. Mich selbst führte ein Besuch einer Schulfreundin für ein Wochenende in die Ortschaft. Sie wohnte dort, um für ein Praktikum täglich nach Luxemburg zu pendeln.

Besagtes Brauhaus stand am Freitagabend auf dem Programm, am Samstag pries die Freundin einen Besuch des Mannebachers Käsemarktes an. Nun, welche Erwartungen herrschen – aus dem Spirituosenblickwinkel – nach obiger Beschreibung des Dorfes? Richtig. Keine.

Umso überraschter war ich, als eine erquickliche Obstbrandauswahl inklusive Nosinggläser auf einem Tisch aufgebaut war. Und umso begeisterter, nachdem ich den ersten Brand probiert hatte. Besonders angetan hat es mir der Schlehenbrand, ein ungewöhnliches Erzeugnis und cocktailmäßig im Real Sloe Gin Fizz überzeugend einzusetzen. Ich kam mit der Tochter des ursprünglichen Brenners ins Gespräch und konnte näheres zur Herstellung erfahren.

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C2C Spirits Cup 2017

Alle Jahre wieder kommt von Julia Nourney Anfang bis Mitte September eine E-Mail, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert: Eine Einladung zum C2C Spirits Cup, für mich zumeist nur ein paar Stationen mit S- oder U-Bahn entfernt.

Seit 2014 veranstaltet Julia einen „Consumer 2 Consumer“-Wettbewerb. Wie kam es dazu? Es existieren eine Vielzahl an Veranstaltungen, in denen eine professionelle Jury ebenso professionell eine Vielzahl von Spirituosen verkostet, benotet und mit Medaillen versieht. Der Knackpunkt: Was sagen mir als Kunden diese Prämierungen, verliehen durch meist der Spirituosenindustrie nahestehenden Personen? Sind sie überhaupt aussagekräftig? Den Produzenten geht es ähnlich – wann erhalten diese ehrliches Feedback ihrer Zielgruppe? Fühlt man sich auf Messen gehemmt, dem Brenner persönlich die Schwächen seines Produkts mitzuteilen? Bekommt er nicht immer nur Feedback von einem geringen, sehr speziellen Teil der Konsumenten?→ weiterlesen

Apple Bitters

Inzwischen ist eine kaum noch zu überschauende Auswahl an Bitters auf dem Markt und es bereits Jahre her, dass man sich nur zwischen Angostura- und Orange Bitters entscheiden konnte.

Ein Buch, welches perfekt in die damals durch The Bitter Truth und Fee Brothers erzeugte Aufbruchstimmung dieses Marktsegments passte, ist das 2011 veröffentlichte „Bitters“ von Brad Thomas Parsons. Er beschreibt einerseits die Geschichte der hochkonzentrierten Aromen, liefert Rezepte und Ideen für eigene Abfüllungen, reißt viele klassische Cocktailrezepte mit Bitters ab und zeigt Möglichkeiten für den Einsatz in der Küche auf.

Passend zur Jahreszeit gefiel mir vor einiger Zeit sofort das Apple Bitters-Rezept, welches auch in den Tambourine Man Eingang fand, unseren Siegercocktail für den C&D-Forumswettbewerb 2014.→ weiterlesen

Widow’s Laurel

Foto eines Widow's Laurel.Die Tage werden kürzer, der Regen ist nicht mehr warm, da darf es gerne etwas schwerer und komplexer mit Blick auf die Getränke werden.

In solchen Momenten blättere ich gerne durch das Death & Co-Buch, finden sich hier schließlich eine angenehme Mischung aus – mit einer gut sortierten Hausbar – direkt nachmixbaren Cocktails sowie Ideen und Kreationen, die etwas mehr Vorbereitungszeit hinter der Bar benötigen. Meine Wahl für diesen Dienstagabend fiel auf:

Widow’s Laurel

  • 6cl Calvados (Busnel VSOP Calvados, substituiert durch Boulard Pays d’Auge)
  • 1.5cl Drambuie
  • 1.5cl süßer Wermut (Carpano Antica Formula)
  • 1BL Pimento Dram (St. Elizabeth, substituiert durch The Bitter Truth)
  • 1 Dash Angostura Bitters
  • 3 Cocktailkirschen (als Deko)

Alle Zutaten auf Eis rühren, in vorgekühltes Coupette-Glas geben, die Kirschen als Deko auf einem Spieß hinzufügen.

(Nach Joaquin Simó, Death & Co, Seite 219)

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