Dog and Pony

Bier ist für mich in Cocktails eine Zutat, die es nicht braucht. Ob aufgegossen oder sonst wie eingebunden, einen wirklichen Mehrwert respektive eine besonders überzeugende Komposition habe ich bisher nicht kennen gelernt. Bier mag ich als eigenständiges Produkt sehr – jedoch als unkompliziertes Getränk, bei dem es auch mal um die durstlöschende Wirkung geht und nicht um die ausgiebige Diskussion von Geschmacksnuancen. 😉

Nun hat Gaz Regan sich erneut mit seinem Liebling beschäftigt – finger stirred Negronis! Und die Ergebnisse im Buch „The Negroni“ festgehalten. Ein Rezept verlangt nach einer Chocolate Porter-Reduktion. Da kam ich ins Grübeln. Die konzentrierte Verwendung könnte doch der Aha-Moment für den Einsatz von Bier in Cocktails sein!

Dog and Pony

Dog and Pony

  • 4cl Gin (Tanqueray No. 10)
  • 2cl Chocolate Porter-Reduktion (siehe unten)
  • 1.5cl Campari
  • Orangenzeste (als Deko)

Alle Zutaten im vorgekühlten Tumbler auf Eis vermengen. Mit der Zeste dekorieren.

Nach Jill Saunders aus The Negroni, Seite 84

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Hock Martini

Kurz und schmerzlos – seit langer Zeit ein neuer Eintrag. Prioritäten und zeitliche Restriktionen ändern sich nun einmal stetig. 😉

Es ist Sommer, zum Essen wird es gleich einen Riesling geben. Diesen kann man sicherlich auch in einem interessanten Cocktail hinter der Bar einsetzen? Der Blick durch die einschlägige Literatur ernüchtert schnell, selten wird nach Weißwein verlangt, noch seltener nach Riesling. Und wenn, dann sind es eindimensionale Abwandlungen von einem Spritz. Andererseits war Riesling zur vorletzten Jahrhundertwende weltweit bekannt und eine der kostspieligsten Rebsorten, da wird es doch Rezepte zu geben … natürlich! Unter Rhine Wine respektive Hock finden sich einige:→ weiterlesen

Barwoche 2018 – Drunken Aye-Aye in Berlin

Es war wieder so weit! Nach der Ankündigung des letzten Jahres fand im Oktober 2018 der Bar Convent Berlin erstmals an drei Tagen statt. Benny und ich haben die Messe an allen Tagen besucht, sind abends in unterschiedlichsten Konstellationen durch die Stadt gezogen und haben tolle Erlebnisse mitgebracht. Fazit: Es hat sich gelohnt – aus vielfältigen Gründen.

Eingang BCB 2018

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Apfelbrände – ein Überblick (Teil 1)

Pfingsten 2018 war es wieder soweit: Die meist seit Jahren wohlbekannte Runde an angenehm Cocktailverrückten traf sich erneut in den Berliner Lofts und veranstaltete ein Wochenende im Zeichen des guten Trinkens. Traditionell gibt es eine selbst organisierte Verkostung zu einem speziellen Themengebiet inklusive anschließendem Wettbewerb. Dieses Jahr stellten wir gereifte Apfelbrände in den Fokus – organisiert durch meinen guten Freund Ilja und mich.

Drei Äpfel

Nun folgt in mehreren Schritten die schriftliche Aufarbeitung des Tastings. In Teil 1 werfe ich einen Blick auf die Geschichte von Apfelbränden, auf die Produktionsmethoden und kulturelle Verbreitung. Diesen ersten Teil werde ich jedoch wiederum lose auf einige Beiträge aufteilen, sonst wird es einfach zu lang. 😉 Im nächsten Schritt erfolgt die Präsentation der verkosteten Produkte inklusive Bewertung und im 3. Teil kommen wir endlich zum Richtigen und Wichtigen – die Rezepte und Mixempfehlungen.→ weiterlesen

Hibiskus! – Simple Pleasures und Roseine

Gestern Abend war es soweit – ohne schlechtes Gewissen konnte ich meine Arbeitskollegen mit einer Runde Antica Torino Smashes zum Start des Abends  begrüßen. Oder mit anderen Worten: Es fühlt sich endlich wieder nach Frühling an.

Wenig verwunderlich, dass ich beim Blättern durch die aktuelle imbibe 72 von März/April 2018 über den Artikel zu Hibiskusblüten-Cocktails gestolpert bin. Eine intensive, strahlende Farbe in Verbindung mit einem feinem, dezent-erdigen und säuerlichen Aroma passt perfekt zu den ersten richtigen Frühlingstagen. Erst recht in Verbindung mit Alkohol. 😉

Weltweit werden Hibiskusblüten in unterschiedlichster Form eingesetzt, ob als Tee, für Erfrischungsgetränke oder in Süßspeisen. Die von mir im folgenden verwendeten Blüten habe ich online als „Hibiskustee“ aus ganzen Hibiskusblüten geordert, 500 Gramm haben keine 7€ gekostet und reichen ewig. Aufgrund der Intensität sind die Blüten vorsichtig zu dosieren. Es bietet sich an, entweder einen Sirup zu kochen respektive mit Infusionen zu arbeiten. Im Fall des Simple Pleasures schlägt Gina Chersevani aus dem Buffalo & Bergen in Washington, D.C. vor, zwei Esslöffel getrocknete Hibiskusblüten zwei Stunden in einer Flasche weißen Overproof Rum ziehen zu lassen. Für einen ersten Versuch startete ich zunächst mit 6cl Wray & Nephew OP und einer einzelnen Blüte:

Foto des Simple Pleasures→ weiterlesen

Tin Gin

In den letzten Jahren hat sich die Vielfalt auf dem Spirituosenmarkt erfreulich ausgeweitet, kaum eine Nische, die noch nicht besetzt wurde. Was liegt damit im Jahre 2018 nahe? Definitiv nicht noch einen Gin auf den Markt zu bringen. Was hat die Truppe um Jonas Hald, Benji Stroheker und Konstantin „Coco“ Kuld mit Unterstützung von Felix Kaltenthaler gemacht? Exakt!

Jonas und Felix
Letzten Donnerstag war es soweit, der Tin Gin wurde erstmals öffentlich vorgestellt. Benny und ich kennen Jonas bereits seit langen Jahren, ursprünglich über das Cocktail&Dreams-Forum. Da wollten wir uns die Markteinführung nicht entgehen lassen, die Konstellation versprach einen illustren Abend. Der Plan: Mit dem ICE nachmittags von Frankfurt gen Stuttgart, den einen oder anderen Drink nehmen und nachts um 5:00 zurück. Hat funktioniert. 🙂→ weiterlesen

Lime Juice Cordial

Lime Juice Cordial – eine Zutat, die nahezu immer in einem Atemzug mit dem Gimlet genannt wird. Gerne ergänzt um Anekdoten um die respektablen Trinkgewohnheiten von Philip Marlowe und die raffinierte Gesundheitsvorsorge der Royal Navy. Entsprechend umfassend hat sich bereits Gabriel Daun für Mixology mit dem Cocktail beschäftigt, daher liegt hier der Schwerpunkt an anderer Stelle.

Lime Juice Cordial

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Regarding Cocktails – Review

Ein ganz besonderes Buch liegt gerade aufgeschlagen in meiner Hand. Dass weltweit bekannte Bartender Bücher schreiben, ein Repertoire ihrer persönlichen Lieblingscocktails präsentieren, bisher im Dunkeln liegende Thematiken beleuchten – mal gelingt es besser, mal schlechter, selten ist man nach dem Studium eines Buchs beeindruckt.

Foto des Buchs Regarding CocktailsHier ist es anders. Dieses Buch ist anders. Petraske ist mit gerade einmal 42 Jahren verstorben, sein Buch blieb unvollendet, wurde posthum veröffentlicht. Im Vorwort stellt seine Frau fest:

The form this book has taken is one my husband could never have foreseen. Being the subject rather than the narrator would not have been for him, and the book surely contains more of Sasha’s personality than he wished for it to have – but how could it not?

Georgette Moger-Petraske

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Si-Güey

Letzte Woche eine Buchvorstellung, gänzlich ohne flüssiges Beiwerk. Dieses Mal umgedreht: Auf Sasha Petraskes leider nicht mehr beendetes Werk „Regarding Cocktails“ gehe ich zu einem späteren Zeitpunkt ein und möchte nicht zu viele Worte im Vorfeld verlieren. Vorab: Er hat es geschafft, dass man beinahe jedes Rezept sofort nachmixen möchte. Die wahren Stärken des Buchs liegen jedoch bei weitem nicht in solch profanen Dingen.

Nach sorgfältiger Abwägung fiel meine Wahl für einen Sonntagabend im Januar auf den Si-Güey. Die richtige Entscheidung?

Si-Güey

  • 6cl Reposado Tequila (Aha)
  • 0.75cl Curacao (Pierre Ferrand Orange Curacao)
  • 0.75cl Islay Whisky (Laphroaig Quarter Cask)
  • 3 Dashes Orange Bitters (The Bitter Truth)

Im Old Fashioned-Glas die Bitters mit dem Likör und anschließend dem Tequila vermengen. Einen großen Eiswürfel hinzufügen und kaltrühren. Den Whisky am Ende floaten.

Nach Michael Madrusan aus „Regarding Cocktails“, Seite 51

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Meehan’s Bartender Manual – Review

Jim Meehan und sein berühmtestes Projekt – das 2007 eröffnete PDT in New York – muss in der Barszene kaum noch vorgestellt werden. Als einer in diesen Kreisen ganz großen und weltweit Bekannten trug und trägt er einen entscheidenden Teil zum Wiederaufleben der Cocktailkultur bei, schreibt Artikel und Kolumnen für englischsprachige Fachmagazine, arbeitet als einschlägiger Berater und hat spezielle Produkte wie ein ledernes Roll-Up auf den Markt gebracht. In Buchform trat er bislang mit dem PDT Cocktail Book in Erscheinung; im Vorwort passend von David Wondrich mit einer modernen Version des Savoy Cocktail Book verglichen, ein Abbild der zeitgenössischen, eventuell dezent avantgardistischen Bar- und Trinkwelt. Sechs Jahre später nun also Meehan’s Bartender Manual.

Meehan's Bartender Man

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