Barwoche 2017 – Drunken Aye-Aye in Berlin

Neben den Treffen des Cocktail&Dreams-Forum ist ein Termin fest im Jahreskalender markiert: Der Bar Convent Berlin, bislang je am Dienstag und Mittwoch nach dem Tag der Deutschen Einheit. Bis zum vorletzten Jahr war das German Rum Festival am Wochenende davor. Ideal, um samstags entspannt anzureisen, die ersten Bars unsicher zu machen, den Sonntag mit Rum zu verbringen, am Montagabend die Awards verfolgen und dann am Dienstag und Mittwoch auf dem BCB durchzustarten um donnerstags etwas angeschlagen wieder abzureisen. Seit letztem Jahr wird aus organisatorischen Gründen das Rumfest auf das Wochenende nach der Barmesse gelegt. 2016 fanden sich nicht genügend Mitstreiter, um von Montag bis Sonntag in Berlin zu bleiben. Dies war dieses Jahr anders!

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Schlehenbrand der Brennerei Stors

Die deutsch-luxemburgische Grenze bei Trier. Rebenland. Links und rechts säumen steile Weinhänge Mosel und Saar. Straßen führen mal mehr, mal weniger elegant durch die wunderschöne Landschaft. Mein Ziel Mitte Juli 2017? Mannebach.

Woran sind auf Anhieb kleine Dörfer identifizierbar? Wegweiser mit entsprechendem Namen existieren erst kurz vor dem Ziel und wesentlich mehr Straßennamen als Schul- und Hauptstraße benötigt es nicht. Beides trifft auf Mannebach zu. Der Weg zum 300 Seelen-Dorf ist erst wenige Kilometer vorher auf der Bundesstraße ausgeschildert, die Nebenstraße windet sich durch den Wald, mein Ziel ist der Wiesenweg. In erster Linie ist Mannebach in der Umgebung aufgrund seines Brauhauses bekannt, das Bier und Essen sind tatsächlich empfehlenswert. Mich selbst führte ein Besuch einer Schulfreundin für ein Wochenende in die Ortschaft. Sie wohnte dort, um für ein Praktikum täglich nach Luxemburg zu pendeln.

Besagtes Brauhaus stand am Freitagabend auf dem Programm, am Samstag pries die Freundin einen Besuch des Mannebachers Käsemarktes an. Nun, welche Erwartungen herrschen – aus dem Spirituosenblickwinkel – nach obiger Beschreibung des Dorfes? Richtig. Keine.

Umso überraschter war ich, als eine erquickliche Obstbrandauswahl inklusive Nosinggläser auf einem Tisch aufgebaut war. Und umso begeisterter, nachdem ich den ersten Brand probiert hatte. Besonders angetan hat es mir der Schlehenbrand, ein ungewöhnliches Erzeugnis und cocktailmäßig im Real Sloe Gin Fizz überzeugend einzusetzen. Ich kam mit der Tochter des ursprünglichen Brenners ins Gespräch und konnte näheres zur Herstellung erfahren.

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C2C Spirits Cup 2017

Alle Jahre wieder kommt von Julia Nourney Anfang bis Mitte September eine E-Mail, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert: Eine Einladung zum C2C Spirits Cup, für mich zumeist nur ein paar Stationen mit S- oder U-Bahn entfernt.

Seit 2014 veranstaltet Julia einen „Consumer 2 Consumer“-Wettbewerb. Wie kam es dazu? Es existieren eine Vielzahl an Veranstaltungen, in denen eine professionelle Jury ebenso professionell eine Vielzahl von Spirituosen verkostet, benotet und mit Medaillen versieht. Der Knackpunkt: Was sagen mir als Kunden diese Prämierungen, verliehen durch meist der Spirituosenindustrie nahestehenden Personen? Sind sie überhaupt aussagekräftig? Den Produzenten geht es ähnlich – wann erhalten diese ehrliches Feedback ihrer Zielgruppe? Fühlt man sich auf Messen gehemmt, dem Brenner persönlich die Schwächen seines Produkts mitzuteilen? Bekommt er nicht immer nur Feedback von einem geringen, sehr speziellen Teil der Konsumenten?→ weiterlesen

Apple Bitters

Inzwischen ist eine kaum noch zu überschauende Auswahl an Bitters auf dem Markt und es bereits Jahre her, dass man sich nur zwischen Angostura- und Orange Bitters entscheiden konnte.

Ein Buch, welches perfekt in die damals durch The Bitter Truth und Fee Brothers erzeugte Aufbruchstimmung dieses Marktsegments passte, ist das 2011 veröffentlichte „Bitters“ von Brad Thomas Parsons. Er beschreibt einerseits die Geschichte der hochkonzentrierten Aromen, liefert Rezepte und Ideen für eigene Abfüllungen, reißt viele klassische Cocktailrezepte mit Bitters ab und zeigt Möglichkeiten für den Einsatz in der Küche auf.

Passend zur Jahreszeit gefiel mir vor einiger Zeit sofort das Apple Bitters-Rezept, welches auch in den Tambourine Man Eingang fand, unseren Siegercocktail für den C&D-Forumswettbewerb 2014.→ weiterlesen

Widow’s Laurel

Foto eines Widow's Laurel.Die Tage werden kürzer, der Regen ist nicht mehr warm, da darf es gerne etwas schwerer und komplexer mit Blick auf die Getränke werden.

In solchen Momenten blättere ich gerne durch das Death & Co-Buch, finden sich hier schließlich eine angenehme Mischung aus – mit einer gut sortierten Hausbar – direkt nachmixbaren Cocktails sowie Ideen und Kreationen, die etwas mehr Vorbereitungszeit hinter der Bar benötigen. Meine Wahl für diesen Dienstagabend fiel auf:

Widow’s Laurel

  • 6cl Calvados (Busnel VSOP Calvados, substituiert durch Boulard Pays d’Auge)
  • 1.5cl Drambuie
  • 1.5cl süßer Wermut (Carpano Antica Formula)
  • 1BL Pimento Dram (St. Elizabeth, substituiert durch The Bitter Truth)
  • 1 Dash Angostura Bitters
  • 3 Cocktailkirschen (als Deko)

Alle Zutaten auf Eis rühren, in vorgekühltes Coupette-Glas geben, die Kirschen als Deko auf einem Spieß hinzufügen.

(Nach Joaquin Simó, Death & Co, Seite 219)

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Honor Amongst Thieves

Foto eines Honor Amongst ThievesWenn das Wetter Mitte August schon nicht mitspielt, dann muss wenigstens hinter der Bar Sommer, Sonne und Gute Laune erzeugt werden. Was bietet sich an? Zwei verschiedene Basisspirituosen, Falernum, Ananassaft, kurzum – Tiki!

Beim Blättern durch Food & Wine Cocktails 2015 (eine Reihe, die scheinbar nach elf Jahren damit in ihrer letzten Ausgabe erschien) blieb ich bei diesem Cocktail stehen. Explizit gereifter Cachaça wird in den seltensten Fällen verlangt, den Bourbon als zweite Grundlage einzusetzen klingt spannend und Falernum mag ich überhaupt gerne.

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Bottecchia

Jegliche Negroni-Varianten stehen bei mir hoch im Kurs – konsequenterweise blättere ich gerne durch das Buch von Gaz Regan, aus dem das Rezept des Bottecchia entstammt. „Finger Stirred“ ist selbstverständlich immer eine Option 😉

Bottecchia

  • 3cl Fernet Branca
  • 3cl Cynar
  • 3cl Campari
  • 1 Preise Meersalz
  • Grapefruitzeste

Alles verrühren bis das Salz sich aufgelöst hat, dann kalt rühren und in einem Tumbler auf Eis geben. Mit Zeste abspritzen und ohne Deko servieren.

(Nach Kevin Burke, „The Negroni – a gaz regan notion“, Seite 79)

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Southampton

Immer wieder freue ich mich über Cocktails mit wenigen Zutaten, die ihren Reiz über das perfekte Mischungsverhältnis erreichen. Gesteigert wird dies noch, wenn Zutaten aus der Standardausstattung einer gut sortierten Bar ausreichend sind und nicht erst Infusionen angesetzt oder Sirup gekocht werden muss.

In David A. Embury’s „The Fine Art of Mixing Drinks“ – einem virtuos geschriebenen, mit Bonmots durchzogenem und mit cleverer Einteilung versehenem Cocktailbuch aus den 1940er Jahren – finden sich eine Vielzahl solcher Rezepte. Große Teile sind mehr oder minder triviale Abwandlungen oder durch die Cocktailrenaissance bereits wieder bekannt geworden, über den Southampton hingegen habe ich bisher nicht viel gehört.→ weiterlesen

Rib Tickler

Ein Sommerabend, ein neues Buch in der heimischen Barbibliothek, dezente Lust auf eine kleine Erfrischung – wie gut, dass die neue Literatur sich mit „Italy’s Most Iconic Aperitivo Cocktail“ beschäftigt und den Titel „Spritz“ trägt. 🙂

Ein schnelles Durchblättern offenbart ansprechende Illustrationen, das Einordnen der drei Rezepte in die Kategorien „Classic, Modern, Cousins“, geschichtliche Hintergründe, Warenkunde speziell zu Bitters, Prosecco und Weinaperitif sowie passende Essensbegleitung. Eine Flasche Schaumwein – mögen es mir andere verzeihen – möchte ich an einem Abend ohne trinkfreudige Unterstützung nicht mehr öffnen und entscheide mich daher für ein Rezept aus der modernen Ecke:

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Jesper Lind

Manchmal möchte man weder viele Worte über ein Thema verlieren, noch sind sie überhaupt notwendig. Daher werden auch immer wieder kurz und prägnant Cocktailrezepte vorgestellt, dazu ein Foto, die persönliche geschmackliche Einschätzung. Das war es. Und hier geht es damit los:

Jesper Lind

  • 4.5cl Gin (Beefeater 47%)
  • 2.25cl Lustau East India Sherry
  • 1.5cl Aquavit (Linie, substituiert mit Helbing)
  • 1BL Vanillesirup (selbst hergestellt)
  • 1 Dash Orange Bitters (selbst hergestellt, substituiert durch Regan’s No 6.)

Alle Zutaten auf Eis rühren, in vorgefrostete Cocktailschale geben, keine Deko.

(Nach Brian Miller, Death & Co, Seite 165)

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